Zitate und Anekdoten zum Rauchbier

 

"Tradition heißt, die Flamme zu erhalten, und nicht die Asche aufzubewahren."
Unbekannt


Rauchbier
von Günter Eich

Brezelverkäufer und taubstumm,
meine Schlagzeilen,
die im Durchgang hocken,
vor einem gemeinsamen Bier.

Ich starre auf ihre Gespräche,
ihr bescheidenes
und dauerhaftes Entsetzen,
meine Schlagzeilen,
meine Kennedys,
meine Chrustschows.


"Bamberger Bier von Heller schäumend und goldrein"
Dr. Lukas Schönlein

"Der Untertan hat das Recht, für sein gutes Geld ein gutes Speisebier zu verlangen. Es soll stark perlen und hoch schäumen, der Schaum muß sich einige Zeit halten. Die Farbe gehe vom Braunen ins Hochgelbe, sei klar und durchsichtig. Das Bier habe einnen weinicht prickelnden Geschmack, es muß die dem Hopfen eigene Bitterkeit mit sich führen, auf dem Gaumen eine kühlende und erquickende Empfindung erregen, und der kitzelnde Geschmack desselben muß sich auch dem Geruch mitteilen."
Fürstbischöfliche Verordnung aus dem 18. Jahrhundert

Das Jahr ist gut, Braunbier zu gerathen,
Drum wünsch' ich mir nichts als dreitausend Dukaten,
Damit ich kann schütten Braunbier in mein Loch!
Und je mehr ich davon trinke,
Desto besser schmeckt es noch.
Groß von Trockau

"Bey dem Garten ist ein Bierhaus, ein allgemeiner Tummelplatz der Bamberger, die hier ihre Andächteley ablegen, und sich das braune Bier bis zur Begeisterung schmecken lassen. Bamberg hat auch in der That ein sehr gutes Bier, das stärkste, welches ich je trank, und das einzige was in Bamberg geniesbar ist."
Phillip Ludwig Röder

"Himmel, welch ein Bier!"
Jean Paul Richter

"ein gar köstlich Getränk"
Georg Wilhelm Friedrich Hegel

"Wenn einer des Bieres trinken will,
der findts zu Bamberg gut und viel"
Johannes Altendorfer

"Der Charakter der Bamberger soll im allgemeinen Biederherzigkeit, Phlegma, Aberglaube und häufiges Biertrinken sein."
Wilhelm Heinrich Wackenroder

"Look at lovely Bamberg", notiert Beckett tags darauf mit kleiner Schrift in eines seiner Tagebücher, die er bei sich hat. Er isst ein "Bauernomelett", trinkt im Traditionslokal "Schlenkerla" Rauchbier ("excellent") und besucht die Sehenswürdigkeiten: "The Reiter", das berühmte Reiterstandbild im Dom, ebenso wie die "Neue Residenz".
Samuel Beckett 1937


Saamäla
aufgeschrieben von Rettl Motschenbacher

Mä sollts net glaabn: Wo trifft man Leute, die man seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat? Auf Beerdigungen! So erging es mir neulich.
Da stand neben mir eine Frau, die ich gleich mit ihrem Mädchennamen ansprach. Erstaunt sagte sie: „Und wer bistn du? Iich kenn dich fei net!“ „No, die Müllers Marga!“ „Woos?“ Sie musterte mich kritisch von oben bis unten: „Du host dich obä orch väändert!“ Mir lag auf der Zunge: „Schönnä bist du fei aan et worn in denna sechzich Johä!“ Aber zum Glück sprach ich es nicht aus, denn nach einer Weile sagte sie: „Du bist also die Fraa, wu immä mit denna Gschichtn und ihrm Bild im FT is! Do wissät ich fei aa so wos, des wu wirklich in Bamberg passiert is!“
Nach der Beerdigung, beim Kaffee, hat sie mir erzählt: In der Brauerei „Schlenkerla“ arbeitete und wohnte um 1900 ein Bräuknecht, der Jockl, der aus dem Umland stammte. Er war tüchtig und fleißig, kai Ärbet woä na zä vill. Obä eä hots mit dä Ruh ghobt, pressiern hots net gäderft! Aa zum Essn is eä öftä zä spet kumma. Eä woä halt a Saamäla!
An einem Fastensonntag wollte der Jockl zum Hauptgottesdienst in die Obere Pfarre. Natürlich war er wieder zu spät dran, sogar die Predigt hatte schon angefangen. In dieser Fastenzeit zeichnete der Pfarrer den Kreuzweg des Herrn nach, und vor allem die verschiedenen Menschen, die ihm dabei begegneten. Nun sprach er gerade über Simon von Cyrene. Zuerst schilderte der Geistliche anschaulich, wie Jesus sich unter der Last des Kreuzes dahinschleppt, so daß die Schergen fürchten, er werde zusammenbrechen und noch auf dem Weg sterben. Und wie im Zug da ein Mann entgegenkommt, ein Bauer, den sie zum Mittragen auffordern, vielleicht sogar nötigen. Der Prediger will seinen Pfarrkindern zeigen, daß Simon von Cyrene einer war, der auf dem Feld gearbeitet hat, so wie sie, die Häcker. So ruft er von der Kanzel aus, eindringlich und mit starker Stimme: „Und woher kommt dieser Mann?“ „Ausm Schlenkerla!“ schreit der Jockl, der sich gerade durchs Portal geschoben hat in voller Lautstärke, weil er glaubt, der Pfarrer, der genau in seine Richtung schaut, meine ihn.
Laut lachn hot mä sich ja domols in dä Kerng net gätraut, obä die Weibsleut hom gekichärt und die Männä gschmunzlt, zägoä dä Pfarrherr. No, dä Jockl hot sein Spitznoma wech gehobt: der „Simon Cyrene ausm Schlenkerla „ hot eä vo do oo bloß nuch ghaaßn. Obs worh wöä odä net: Eä soll nie mehä zä spet nei die Kerng kumma sei!